Burnoutgefühle

ACHTUNG! Der folgende Blogeintrag ist nichts für schwache Nerven, überlegt Euch ob Ihr ihn wirklich lesen wollt. Sollte jemand aus der medizinischen Fraktion diesen Beitrag lesen, ich bin nicht mehr suizidal, die Gefahr ist vorbei!

Eins kommt zum anderen. Irgendwann hast Du keine Lust mehr zu diskutieren, Du ziehst Dich zurück. Alles wird zu viel. Jede Ansprache, jeder Termin ist nervig.

Im Termin der Diskussion zu folgen, konstruktive Beiträge leisten wenn alles nervt und Du Dich nicht auf das Thema konzentrieren kannst wird zunehmend schwierig.

Bei jeder Ansprache das Gefühl zu haben das Dir der andere was will, und wenn es nur weitere Arbeit ist die er bei der Ablädt, wird im Laufe der Zeit sehr anstrengend.

Dazu kommt eine unglaubliche Vergesslichkeit – in welchem System sollte ich doch noch gerade die Rechte einrichten? Wenn es davon sechs unterschiedliche gibt die aber optisch alle gleich aussehen und sich nur durch einen Buchstaben in der URL unterscheiden wird die Arbeit unerträglich. Zuerst habe ich es mit vielen bunten PostIts versucht wo ich mir haarklein aufgeschrieben habe was ich machen muss. Es dauert alles drei- bis fünfmal so lange, dadurch wird der Druck noch grösser.

Die Konzentrationsfähigkeit ist so gut wie nicht mehr gegeben – jede Störung treibt Dich fast zum Wahnsinn, Du kannst noch mal von vorne anfangen. Leider hat ein Grossraumbüro viele Störungen vorrätig… Für eine Perfektionistin wie mich ist das Ganze extrem belastend.

Dann kommt das Schlafproblem dazu. Vier Stunden pro Nacht ist viel Schlaf. Zu all den anderen Problemen kommt die Müdigkeit. Du fängst an nach Ursachen zu suchen. Zuerst habe ich den Alkoholkonsum gestrichen, dann das Gluten aus der Ernährung. Beides hat nicht geholfen. Mehr schlafen? Geht nicht, ich habe keinen Einfluss, wenn ich früher ins Bett gehe bin ich mitten in der Nacht wach und kann nicht mehr schlafen.

Das Wochenende wird zu kurz, keine Erholung. Das Aufstehen am Morgen, das parat machen für die Arbeit erfordert unglaublich viel Energie. Kaum habe ich mich bis zum Bahnhof geschleppt bin ich völlig fertig. Die vielen Menschen machen mir Angst, ich fühle mich hilflos der Masse ausgeliefert. In Bern treibt Dich der Menschenstrom aus dem Bahnhof, dann bin ich im Geschäft.

Der Blick ins Outlook treibt mit den kalten Schweiss über den Rücken. Alles voller Termine, nichts ist vorbereitet, der Stapel auf dem Schreibtisch wird immer grösser. Die Arbeit langweilt mich inhaltlich, alles eigentlich Routine, aber auch die Routine kriege ich nicht mehr auf die Reihe. Ich fühle mich ausgeliefert, suche Hilfe. Zur Antwort bekomme ich dass ich eine Pendenzenliste führen soll…..

Ich rede mit meinem Hausarzt. Er versteht nicht direkt um was es geht, dann klingelt es bei ihm. Teilkrankschreibung. Ich soll meine Sachen mit dem Arbeitgeber regeln. Der besteht auf einer Auszeit…

Mein Arzt schreibt mich 100 % krank. Ich bin alleine zu Hause, falle in ein unglaublich tiefes Loch. Viele soziale Kontakte in Thun habe ich noch nicht. Ausserdem habe ich keine Lust auf andere Leute. Einziger Lichtblick: Das Coaching. Mit viel Gefühl wird mir die schlimmste Last und der grösste Druck genommen.

Ende letzter Woche der absolute Tiefpunkt. Was mache ich noch auf dieser Welt? Wer nichts leistet ist nichts wert. Hinter dem Hotel im Tessin führt praktischerweise die Bahnlinie lang, es gibt einen Bahnübergang. Die Züge fahren mit gut 50 km/h, das sollte reichen. Am Besten ein Interregio, die Lok (Re 4/4) hat viele Kanten, dann den Kopf noch ein bisschen tiefer gehalten, dann sollte es definitiv funktionieren. Dazu noch der Zug aus Richtung Locarno, da kann der Lokführer den Bahnübergang erst im letzten Moment sehen…..

Zum Glück siegt mein unbändiger Lebenswille. Ich will Leben, ich hab noch so viel vor. Das ist der Dreck nicht wert….

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