Burnout – wie weiter?

Sehr lange habe ich hier nichts mehr geschrieben, dass soll sich nun wieder ändern.

Wer meine Beträge verfolgt hat, hat mitbekommen, dass ich mich letztes Jahr in ein schweres Burnout rein manövriert habe. Ich war insgesamt fast sieben Monate (!) in der Klinik in Meiringen, zuerst im Burnout-Bereich, und dann habe ich die restliche Zeit damit verbracht, meine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) zu kurieren.

Einfach war die Zeit nicht, aber wenigstens ist die Klinik auf dem Hasliberg (Burnout-Bereich) ein kleines Paradies inmitten einer wunderbaren Bergwelt.

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Blick aus meinem Fenster auf das Wetterhorn und die anderen Grössen des Berner Oberlandes

Inziwschen weiss ich dass es ausser Arbeit auch noch anderes gibt, z.B. bin ich in Meiringen an das Arbeiten mit Holz heran geführt worden…

Ich werde Euch in in den nächsten Blog-Einträgen ein wenig berichten wie ich die Zeit verbracht habe und was so für dieses Jahr an Touren geplant ist……

Danke,

Sagen möchte ich Euch für die Wünsche, Aufmunterungen und sonstigen Worte die ich bekommen habe. Insbesondere nach dem sehr dunklen Blog Eintrag „Burnoutgefühle“ habe ich diverse zum Teil sehr besorgte Zuschriften bekommen.

Mir ist bei dem Eintrag wichtig gewesen zu zeigen, dass ein Burnout – leider – viel mehr ist als „nur“ keine Lust auf Arbeit. Ein Burnout ist meist mit einer Erschöpfungsdepression verbunden, und ich wusste nicht, dass Depression so was Grausames für den Betroffenen ist. Auch wenn körperliche Erkrankungen nicht so toll sind, aber ich lasse mir lieber wieder die Hüfte operieren als so einen Sche£%“%“ zu haben….

Ich hatte inzwischen Gelegenheit sowohl die Clinica Holistica in Susch anzuschauen als auch die Burnout-Station in Meiringen-Hasliberg. In beiden Kliniken gab es intensive Gespräche, einmal mit der leitenden Psychologin, ein anderes Mal mit der Chefärztin. Diese Gespräche waren anstrengend für mich aber auch aufschlussreich.

Erste Erkenntnis: Ich komme nicht um einen Klinikaufenthalt herum. Die Sache geht schon zu lange und ist zu weit fortgeschritten als das ich noch ohne Behandlung auf Dauer über die Runden käme. Mir gefällt der Gedanke an einen Aufenthalt in einer „akutpsychatrischen Einrichtung“ überhaupt nicht, auch die schönen Zimmer und die sehr ansprechende Gestaltung beider Kliniken können nicht über diese Tatsache hinweg täuschen L

Zweite Erkenntnis: Ich denke es wird nicht ohne Medis gehen. Ich nehme jetzt bereits etwas zum Schlafen, für mich ist das Medikament aber nur supoptimal. Mit der niedrigen Dosierung ist das Schlafen unwesentlich besser als ohne (im Durschnitt um die vier Stunden Schlaf pro Nacht) mit der höheren Dosierung habe ich den ganzen Folgevormittag was davon L Auch muss ich mir meine Depression behandeln lassen, das kann ohne Medis gehen, die Nebenwirkungen gerade der klassischen Antidepressiva sind mir zu heftig. Bei den neueren Produkten sieht es anders aus, aber auch da ist meine Abenteuerlust nach wie vor nicht besonders gross. Es braucht sicherlich das eine oder andere Gespräch in naher Zukunft um das Thema zu klären.

Wie geht es weiter?

Ein Klinikaufenthalt steht an, das ist definitiv. Entweder in Susch oder im Haslital. Wie immer gibt es dabei mehr oder weniger stark ausgeprägte Unterschiede zwischen den Kliniken die jeder für sich individuell bewerten muss. Sehr offensichtlich sind die unterschiedlichen durchschnittlichen Aufenthaltsdauern, in Such beträgt die Aufenthaltsdauer zwischen vier und sechs Wochen, in Meiringen-Hasliberg liegt sie zwischen acht und zehn Wochen. Dazu kommen andere Ansätze zur Gestaltung der Therapie, ich habe Susch als sehr autoritär erlebt – muss es vermutlich bei der kürzeren Aufenthaltsdauer auch – während in Meiringen-Hasliberg für mich der kooperative Stil überwiegt hat. Welcher Ansatz mir eher liegt kann sich vermutlich jeder Vorstellen der mich kennt…. Auch ist das Thema „Velo fahren“ in Susch eher schwierig, in Meiringen wurde das als sehr positiv bewertet und wird unterstützt.

Ich habe den Eindruck, dass man in Susch eher den Weg ohne Medis sucht – der mir grundsätzlich sehr sympathisch ist – in Meiringen scheint die Pharmatherapie wichtiger Bestandteil der Therapie zu sein.

Wie gesagt, dass sind meine subjektiven Eindrücke aus zwei Besichtigungen inklusive Gesprächen, jeder der sich mit diesem Thema beschäftigt muss sich sein eigenes Bild machen und dann selbst für sich entscheiden, wo er sich wohler fühlt. Vieles hat mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun, es geht auch darum für sich selbst raus zu finden, wo man sich wohler fühlt, das Vertrauen in die betreuenden Personen (Therapeut, Arzt, Pflegende etc.) spielt aus meiner Sicht die grösste Rolle.

Leider kommt dann noch das hässliche Thema der Wartezeit dazu, man kann nicht davon ausgehen, dass man direkt einen Platz in einer solchen Klinik bekommt.

+++ Wenn man weiss wofür man kämpft bekommt die Sache plötzlich einen Sinn +++

Fazit:

Nach dem ich gestern einen Anruf der Bettendisposition aus Meiringen bekommen habe und ich nächste Woche Freitag eintreten kann habe ich mich definitiv für das Haslital entschieden. Es ist für mich auch ein Bekenntnis zum Kanton Bern, meinen neuen zu Hause. Das Kapitel „Leben in Graubünden“ ist vorerst abgehakt. Leider. Aber es bringt nichts dem Vergangenen nach zu trauern, es geht ums Jetzt. Die Zukunft kann ich beeinflussen, die Vergangenheit muss ich so nehmen wie sie ist.

Velotherapie im Emmental

Nach dem eher „dunklem Beitrag“ von gestern hier ein kleiner Einblick wie ich meinen Tag moentan verbringe.

Das ich das Velo fahren heiss und innig liebe wisst Ihr alle. Momentan hat es für mich noch einen viel wichtigeren Stellenwert, über das Velo fahren kann ich alle Sorgen und Probleme hinter mir lassen, es ist so, als ob alles abfällt. Dazu kommt momentan das tolle Wetter und das unglaubliche Panorama des Berner Oberlandes respektive des Gantrisch-Gebietes.

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Das Schöne in der Schweiz ist, dass man nicht gross über Routen und Strecken nach denken muss, man kann einfach den Roten Wegweisern folgen.

Heute ging die Tour Richtung Emmental, als Ziel hatte ich mir das Kambly Erlebnis vorgenommen.

Die Tour führt über Konolfingen durch das Emmental. Dort sind die typischen Emmentaler Häuser zu sehen, die folgenden Bilder zeigen Fotos aus Signau.

Auf dem Velo habe ich Zeit zum Nachdenken, das Schönste ist, dass dabei keine dunklen Gedanken hoch kommen, im Gegenteil, die rythmische Bewegung hat etwas Meditatives, ich kann völlig abschalten. Das folgende Foto wurde gestern zwischen Mülenen und Aeschi aufgenommen, wie man sieht kann ich schon wieder lachen.

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Leider bin ich nicht ganz bis Kambly gekommen, in Langau ist mir die Luft aus gegangen. Statt Kekesen gab es ein Mittagessen mit Wasserbüffel-Ragout, danach bin ich mit der BLS zurück nach Thun geschaukelt.

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Burnoutgefühle

ACHTUNG! Der folgende Blogeintrag ist nichts für schwache Nerven, überlegt Euch ob Ihr ihn wirklich lesen wollt. Sollte jemand aus der medizinischen Fraktion diesen Beitrag lesen, ich bin nicht mehr suizidal, die Gefahr ist vorbei!

Eins kommt zum anderen. Irgendwann hast Du keine Lust mehr zu diskutieren, Du ziehst Dich zurück. Alles wird zu viel. Jede Ansprache, jeder Termin ist nervig.

Im Termin der Diskussion zu folgen, konstruktive Beiträge leisten wenn alles nervt und Du Dich nicht auf das Thema konzentrieren kannst wird zunehmend schwierig.

Bei jeder Ansprache das Gefühl zu haben das Dir der andere was will, und wenn es nur weitere Arbeit ist die er bei der Ablädt, wird im Laufe der Zeit sehr anstrengend.

Dazu kommt eine unglaubliche Vergesslichkeit – in welchem System sollte ich doch noch gerade die Rechte einrichten? Wenn es davon sechs unterschiedliche gibt die aber optisch alle gleich aussehen und sich nur durch einen Buchstaben in der URL unterscheiden wird die Arbeit unerträglich. Zuerst habe ich es mit vielen bunten PostIts versucht wo ich mir haarklein aufgeschrieben habe was ich machen muss. Es dauert alles drei- bis fünfmal so lange, dadurch wird der Druck noch grösser.

Die Konzentrationsfähigkeit ist so gut wie nicht mehr gegeben – jede Störung treibt Dich fast zum Wahnsinn, Du kannst noch mal von vorne anfangen. Leider hat ein Grossraumbüro viele Störungen vorrätig… Für eine Perfektionistin wie mich ist das Ganze extrem belastend.

Dann kommt das Schlafproblem dazu. Vier Stunden pro Nacht ist viel Schlaf. Zu all den anderen Problemen kommt die Müdigkeit. Du fängst an nach Ursachen zu suchen. Zuerst habe ich den Alkoholkonsum gestrichen, dann das Gluten aus der Ernährung. Beides hat nicht geholfen. Mehr schlafen? Geht nicht, ich habe keinen Einfluss, wenn ich früher ins Bett gehe bin ich mitten in der Nacht wach und kann nicht mehr schlafen.

Das Wochenende wird zu kurz, keine Erholung. Das Aufstehen am Morgen, das parat machen für die Arbeit erfordert unglaublich viel Energie. Kaum habe ich mich bis zum Bahnhof geschleppt bin ich völlig fertig. Die vielen Menschen machen mir Angst, ich fühle mich hilflos der Masse ausgeliefert. In Bern treibt Dich der Menschenstrom aus dem Bahnhof, dann bin ich im Geschäft.

Der Blick ins Outlook treibt mit den kalten Schweiss über den Rücken. Alles voller Termine, nichts ist vorbereitet, der Stapel auf dem Schreibtisch wird immer grösser. Die Arbeit langweilt mich inhaltlich, alles eigentlich Routine, aber auch die Routine kriege ich nicht mehr auf die Reihe. Ich fühle mich ausgeliefert, suche Hilfe. Zur Antwort bekomme ich dass ich eine Pendenzenliste führen soll…..

Ich rede mit meinem Hausarzt. Er versteht nicht direkt um was es geht, dann klingelt es bei ihm. Teilkrankschreibung. Ich soll meine Sachen mit dem Arbeitgeber regeln. Der besteht auf einer Auszeit…

Mein Arzt schreibt mich 100 % krank. Ich bin alleine zu Hause, falle in ein unglaublich tiefes Loch. Viele soziale Kontakte in Thun habe ich noch nicht. Ausserdem habe ich keine Lust auf andere Leute. Einziger Lichtblick: Das Coaching. Mit viel Gefühl wird mir die schlimmste Last und der grösste Druck genommen.

Ende letzter Woche der absolute Tiefpunkt. Was mache ich noch auf dieser Welt? Wer nichts leistet ist nichts wert. Hinter dem Hotel im Tessin führt praktischerweise die Bahnlinie lang, es gibt einen Bahnübergang. Die Züge fahren mit gut 50 km/h, das sollte reichen. Am Besten ein Interregio, die Lok (Re 4/4) hat viele Kanten, dann den Kopf noch ein bisschen tiefer gehalten, dann sollte es definitiv funktionieren. Dazu noch der Zug aus Richtung Locarno, da kann der Lokführer den Bahnübergang erst im letzten Moment sehen…..

Zum Glück siegt mein unbändiger Lebenswille. Ich will Leben, ich hab noch so viel vor. Das ist der Dreck nicht wert….

Vom Burnout und modernen Raubrittertum

Wider der inneren Natur soll man nicht zu lange handeln. Sonst kann das dumme Folgen haben. Zum Beispiel kann man sich selbst nicht mehr finden und spürt sich nicht mehr. Wie bei mir. Verdacht auf BurnOut. Und jetzt? Weiss nicht.

Das ich ein ernsteres Problem habe ist mir schon seit November / Dezember letzten Jahres bewusst. Konzentrationsprobleme, alle Arbeiten dauern 3 – 5 x so lange wie sonst, ich vergesse nach ein paar Minuten was ich angefangen habe zu arbeiten 😦  Zum Glück – oder auch nicht – konnte ich das erfolgreich verheimlichen, nur mit Hilfe von PostIts habe ich die Zeit bis Weihnachten überstanden.

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In den Ferien wurde es dann besser, Mitte Januar ging es weider los, im Februar habe ich die Notbremse gezogen und war beim Arzt. Dieser hat mich erst mal teil krank geschrieben, aber leider besteht mein Arbeitgeber auf einer Auszeit 😦 Das hat mich erst recht umgehauen. 😦

Aktuell diskutieren mein Hausarzt und ich einen Klinikaufenthalt. Es ist doch recht speziell, was mir am Freitag wider fahren ist. Ich wolte Informationen von der Klink Schützen in Rheinfelden. Darauf hin habe ich einen Anruf von einer Dame aus der Patientenaufnahme erhalten, die mir das „Geschäftsmodell“ erläutert hat. Wartezeit von fünf ! Monaten, sollte ich ein Einzelzimmer zahlen – pro Nacht zwischen 50 – 70 CHF – verkürzt sich die Wartezeit auf zwei Wochen. Ich finde es sehr spezeil wie auf diese Art und Weise die Kunden ausgenommen werden, insbesondere solche Personenn die sich nur sehr schlecht wehren können und nah am Ende Ihrer Kräfte sind…

Die Berner Klinik in Montana nimmt im übrigen 189 CHF pro Nacht für ein Einzelzimmer….  Dazu kommt diese interessante Aussage,  den man unter „Behandlungspfad“ finden kann: „Die zunehmende Emanzipation der Patienten sowie Anforderungen der Kostenträger verlangen eine höhere Transparenz der Prozesse und somit eine Verbesserung der Patientenintegration in den Behandlungsablauf.“ Meine Meinung dazu: Das ist schon ein Leid mit den armen Patienten die für sich selbst entscheiden wollen und keine Lust haben den „Halbgöttern in Weiss“ blind zu vertrauen.

Was heisst das für mich? Beide Kliniken kommen für mich  nicht in Frage, ich lasse mich weder ausnehmen noch bevormunden. Ich bin gespannt was mich in den nächsten Tagen auf meiner Klinksuche noch so erwartet….

???????????????????????????????Zum Glück wird es langsam Frühjahr und ich habe ausgiebig Zeit meiner Lieblingstherapie dem Velo fahren zu frönen. Das hilft mir, ich denke der Sport und die Sonne sind sehr hilfreich gegen jede Form von Depression.

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Was läuft sonst noch? Ich habe eine Gesprächstherapie angefangen, wo das hin führen wird weiss ich nicht. Medikamente möchte ich keine, es kann nicht sein, dass die Arbeit mich so fertig macht, dass ich Antidepressiva nehmen muss. Auch kann man in diversen Publikationen nach lesen, dass die nicht unbedingt was bringen, aber dafür diverse unangenehme Nebenwirkungen haben. Da werde ich erst alle anderen Register ziehen bovor ich mich mit diesem Thema beschäftige.

Wie es mit dem Thema Arbeit weiter geht kann ich im Augenblick noch nicht sagen, Ich hatte letzte Woche eine telefonische Beratung von einer Burnout-Spezialistin, die mir dringend gerarten hat im Augenblick keine Entscheidungen zu treffen, sondern zu warten „bis etwas Gras über die Sache gewachsen“ ist und dann in Ruhe zu überlegen wie es weiter gehen soll.

Ich versuche zur Zeit mein Alltag zu meistern – Einkaufszettel schreiben ist nicht ganz einfach, Daher ca. 2 – 4 Stunden – und versuche mich in Geduld zu üben. Fortsetzung folgt auf diesem Kanal…..

2015 – weiter wie immer?

Hmm, neues Jahr neues Glück? Wie hiess das mal in einer Werbkampanie der CDU? „Weiter so…“ Oder doch nicht?  Letztes Jahr war für mich ein sehr stürmisches Jahr – selbst für meine Verhältnisse  – und gleichzeitig stelle auch ich fest das ich Älter werde. 2015

Das Jahr begann mit dem Eingriff an der linken Hüfte, dann gab es im März den Jobwechsel inklusive Wochenaufenthalt in der Business-WG in Bern. Im Juni bin ich bei meiner Radtour am Tschechischen Teil der Elbe „zur Welt gekommen“, habe im September eine Radtour nach / in Frankreich abgebrochen – Tourenbericht folgt – und bin im Oktober nach Thun gezogen. Im November waren die Schmerzen an der rechten Hüfte so gemein, dass ich mir Cortison ins Gelenk spritzen lassen musste. Zur Belohnung gab es dann Ende November noch einen fiesen Virusinfekt, der mich bis fast jetzt stark beeinträchtigt hat.

Und sonst? Gut über 5000 km Velo gefahren – yuhu 🙂 – neue Bekanntschaften gemacht, gehe endlich wieder regelmässig ins Krafttraining – und doch der Zeiger der Waage bewegt sich nach langsam nach rechts, und die Hüftschmerzen lassen sich an vielen Tagen nur mit Schmerzmitteln / Cortison im Griff halten. Soll das so weiter gehen? Muss ich mich von all meinen geplanten Vorhaben verabschieden? Ist der Weg an dieser Stelle vorgezeichnet? Irgend wann Probleme mit den Nebenwirkungen der Schmerzmittel, Cortison? Künstliche Gelenke, immer fetter werden?

Meine „Ex-Frauenärztin“ würde das in ihrer primitiven schulmedizinischen Brille vermutlich richtig finden. Ein Eisenwert von 39 (Ende Oktober, jetzt vermutlich bei unter 20) ist normal, da muss man nichts machen… Statt dessen die Pille (reine Gestagene!) um mich vorzeitig in die Wechseljahre zu schiessen. Einerseits gute Idee – vielleicht hören dann endlich mal die elendigen Blutungen auf und der Eisenwert stabilisiert sich. Der Preis? Noch fetter, Osteoporose etc. Davon kein Wort – Danke Schulmedizinerin…

Daher versuche ich seit gut einer Woche etwas Anderes. In diversen Berichten / Foren habe ich gelesen, dass sich Gelenkschmerzen über die Ernährung beeinflussen lassen sollen. Nach dem ich das dann zum x-tem Mal gelesen habe, habe ich mich entschieden einen Selbstversuch zu starten. Meine Wahl ist auf Paleo gefallen, da dort konsequent Getriede und in der Reinform auch Milch und Milchprdukte gemieden werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Milch nicht mein Problem ist, Getreide könnte es aber schon sein….

Also habe ich mir über Weihnachten ein dickes Kochbuch gekauft, die Rezepte und die dahinter stehende Philosopie angeschaut – und bin seit knapp einer Woche dabei. Das sich der Zeiger der Waage nach links bewegt – ist ja am Anfang immer so, das überflüssige Wasser geht raus – ist klar. Paleo kann mit „Steinzeitkost“ übersetzt werden und damit ist auch gleich klar, dass jede Form von künstlichen Nahrungsmitteln gestrichen ist. Das Gleiche gilt für alle Getreidesorten. Reis und Kartoffeln sind hart an der Grenze, ich habe mich für den Anfang entschieden bis auf Weiteres darauf zu verzichten.

Dafür gibt es jetzt jede Menge Gemüse, Obst, Eier, Fleisch und Fisch. Dazu kommen diverse neue Zutaten….

Hunger habe ich bisher wenig, nur der Gang an der Bäckerei vorbei absolviere ich am Besten mit geschlossenen Augen 😦 Bier ist komplett gestrichen – bis auf Weiteres – gelengetlich ein Glas Wein ist erlaubt. Das Ganze hält mich definitv auf Trapp, den Einkauf mal eben beim Grossverteiler erledigen ist nicht mehr. Zum Glück hat Thun jede Woche einen Wochenmarkt, es gibt einen Laden für „Öko-Futter“ und jede Menge echte Metzger, einer davon hat auch eine ganz gute Fischtheke.

Der Effekt? Heute habe ich das Erstemal das Gefühl das meine Gelenke nicht mehr so steif sind und ich beweglicher bin, obwohl es draussen ekelig nebelig, feucht und kalt ist. Es wäre schön wenn das nicht nur ein Momenteffekt wäre. Ich führe jetzt ein Schmerztagebuch, in dem ich dokumetniere wie es mir jeden Tag geht. Mal sehen wohin der Selbstversuch führt.

Falls jemand sich für Paleo interssieren sollte kann ich den folgenden Link empfehlen, schön objektiv aus der Süddeutschen

 

Unterwegs an der Labe / Elbe von Pardubice nach Spindlermühle (Teil 2 von 2)

Mittwoch – Pardubice – Jaromer (45 km)

Heute ist ein furchtbarer Tag. Es schüttet wie aus Eimern 😦 Mir geht es nicht gut, ich habe Probleme mit meinem Asthma und bekomme nicht all zu gut Luft. Keine guten Voraussetzungen zum Velo fahren. Doch eins nach dem Anderen. Der erste Weg führt mich zum Velohändler. Der hat bereits um 08:00 Uhr geöffnet, und nach einer kurzen Erklärung – Hände sind ein sehr nützliches Kommunikationsmittel – kommt mein Velo auch gleich „in Behandlung“. Als dann irgend wann die Scheibenbremse in Einzelteilen auf dem Tisch liegt wird mir dann doch ein bisschen Bange ob der Kollege das wieder alles aneinander bekommt? Der Veloladen gleicht eher einem Haushaltswarenhändler, über Pfannen und Töpfe bis hin zu diversen Autoteilen ist alles zu haben. Aber meine Sorge ist unbegründet, ein perfektes Zentrieren und der Verkauf eines neuen Mantels inklusive Montage sämtlicher Einzelteile schliessen die Operation ab. Das Ganze hat mich bei gut einer Stunde Arbeit – Fehleranalyse, Bearbeiten der Felge, Zentrieren, neue Speiche, neuer Mantel – knapp 20 Franken gekostet. 🙂 Eine perfekte Arbeit – wie mein heimischer Velohändler in der Schweiz später feststellt….

 

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Danach war ich in den Regen entlassen,  es sollte ein sehr mieser Tag werden, die reine Willensleistung hat mich nach Jaromer gebracht. Es lag nicht an der Strecke, sonder an meiner zunehmend mieser werdenden Kondition. Jede etwas intensivere Anstrengung wurde mit Hustenanfällen und schöner rasselnder Ausatmung belohnt. 😦

Nichts desdo trotz ging die Reise mit offenen Augen weiter. Neben dem Ruderclub „Arosa“ habe ich Kilometer „1000“ erreicht. Das hat mich sehr motiviert, Kilometer 1000 deshalb, da die Tschechen ab Mündung Cuxhaven die Kilometer rückwärts zählen…

Zu den gesundheitlichen Problemen kamen dann auch noch rein Praktische: Der Regen hat diverse „Teile“ von den Bäumen fallen lassen, die die hässliche Angewohnheit haben sich mit Vorliebe in der Scheibenbremse anzusammeln….

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Also alle paar Minuten anhalten und Bremse putzen. Das das der Durchschnittsgeschwindigkeit nicht wirklich zuträglich war, kann man sich vermutlich vorstellen. Irgend wann musste ich was für meine Psyche tun und habe jemanden porträtiert der noch langsamer unterwegs war als ich 🙂

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Nach gefühlt unendlich langen Kilometern komme ich in Jarmer an – völlig am Ende meiner Kräfte. Zur Belohnung stehe ich vor verschlossener Hoteltür – aber ein Anruf genügt um den Hausherren herbei zu zaubern. Der erste Weg ist für drei Stunden ins Bett, Duschen und Essen kommt erst später….

Am Abend frage ich mich sehr ernsthaft was ich machen soll. Tour abbrechen? So kurz vor dem Ziel? Arzt aufsuchen? Weiter fahren? Morgen steht der der Aufstieg nach Spindlermühle an, 260 Höhenmeter auf 15 km. Normalerweise kein Problem, aber mit knapp 45 kg (Rad + Gepäck) zwischen den Beinen, Atemproblemen und schlechter Kondition, wird das funktionieren? Jaromer ist ein Eisenbahnknotenpunkt, es wäre eine gute Möglichkeit zurück nach Prag zu kommen…

Ich entscheide mich fürs Weiter fahren, Abbrechen kann ich immer noch. So kurz vor dem Ziel bin ich nicht bereit aufzugeben. Zur Not gäbe es noch am Abend den Riesengebirgs-Velobus der mir die schlimmste Steigung abnehmen könnte…..

Donnerstag – Jaromer – Spindlermühle (54 km + Transfer)

Morgens rollt es sich besser als gedacht, ich bin mit sehr viel Ruhe und sehr langsam unterwegs. Eben schneckenmässig 😦 Dann kommt ein wunderschöner Stausee – Les Kralovstvi. Hier mache ich Mittag.

Frisch gestärkt mache ich mich nun an einem Streckenabschnitt, der mir bereits seit ein paar Tagen ein wenig Sorgen macht. Es geht leicht bergauf und es handelt sich um eine Strasse mit 3-stelliger Nummer. Es handelt sich um die Strasse Nr. 299, eine wichtige Verbindung zwischen Tschechien und Polen. Leider beweisen sich meine Befürchtungen als sehr realistisch. Polnische und Tschechische LKWs kommen mir bei ihren rasanten Überholmanövern gefährlich nahe. Kurz vor Hostinne biegen die zum Glück ab, aber ich bin defintiv mental und körperlich am Limit angelangt. Den Aufstieg nach Spindermühle werde ich so nicht schaffen 😦

Von meiner gestrigen Recherche weiss ich, dass der RiesengebirgsVelo-Bus vom zentralen Busbahnhof in Vrchlabi abfährt. Nach einer guten halben Stunde Pause – und ein paar Hüben Dosieraerosol (Asthma-Droge) – fühle ich mich in der Lage gemütlich nach Vrachlabi zu fahren. Der Busbahnhof ist relativ schnell gefunden, aber nicht ohne vorher noch eine interessante Auseinandersetzung mit einer Tschechischen Autofahrerin gehabt zu haben. Zebrastreifen scheinen in Tschechien eine andere Bedeutung zu haben, wie in anderen Teilen der Welt….

Am Busbahnhof muss ich feststellen, dass er Bus erst spät am Abend fährt. Das würde gut 4 – 5 Stunden rumm lungern am Busbahnhof bedeuten. Dazu habe ich weder die Lust noch die Kraft. Eine Smartphone-Recherche fördert ein Taxiunternehmen in Spindermühle zu Tage. Man ist bereit mich mitsamt meinem Velo zu holen und den Berg hoch zu chauffieren. Ich breche dafür meine Bargeldnotfall-Reserve an, aber dafür ist sie gedacht. Das Taxi kommt nach einer guten halben Stunde – ein VW-Transporter – und wir fahren in gut 20 Minuten den Hügel nach Spindernühle rauf. Der Ort erinnert mich sehr an den Harz, ich fühle mich auf Anhieb wohl. Auch die Pension ist gut gewählt, sie liegt herrlich ruhig an einem Seitenhang.

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Den Tag lasse ich ausklingen bei reichlich schwarzem Bier, einem typischen Tschechischen Essen und schaue das Deutsche Fussballspiel an. Gesunheitlich geht es mir so schlecht, dass ich mich entscheide mir einen ordentlichen Batzen Cortison in Tablettenform einzuwerfen – so was spreche im Vorfeld mit meinem Lungenarzt ab, das gehört für mich zur Reisevorbereitung. Ich habe ein Therapieschema, dass ich im Bedarfsfall anwenden kann. Dazu Anmerkung aus heutiger Sicht: Wir haben letztens im Sinne einer Manöverkritik – mein Lungenarzt und ich – die ganze Sache nach besprochen. Ich habe fast richtig reagiert, nach seiner Auffassung hätte ich nicht weiter fahren dürfen. Aber das war für mich an dieser Stelle keine Alternative…

Freitag – Wanderung zur Elbequelle (ca. 14 km zu Fuss)

Statt mit dem Velo entscheide ich mich für die Wanderung zur Elbequelle. Zum Glück geht es mir heute etwas besser, aber Luftsprünge sind nach wie vor keine drin. Daher entscheide ich mich für den Weg mit der Seilbahn….

Die Wanderung ist wunderbar, auch wenn sich der Weg zieht, aber irgend wann ist das Ziel erreicht, ein unscheinbarer „Wasserpott“, die symbolische Elbequelle.

 

Für mich ist das ein sehr emotionaler Moment. Nach der ganzen Quällerei es doch noch geschafft zu haben erfüllt mich mit sehr tiefer  Befriedigung. Trotz aller Widerstände habe ich das Ziel erreicht. Zwar nicht immer ganz aus eigener Kraft, aber auch Improvisationstalent und das sich Einlassen auf unbekannte Dinge machen den Reiz einer Radreise aus 🙂

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Entsprechend stolz habe ich mich von einem andern Radreisenden ablichten lassen, für ihn begann an diesem Ort die Reise auf dem Elberadweg und gleichzeitig ein neuer Lebensabschnitt in die Rente….

Der Rest ist schnell erzählt. Jetzt wollte ich nur noch Heim – und das auf schnellstem Wege…..

Samstag – Spindlermühle – Kuncice nad Labem (22 km) – Zug nach Prag und weiter nach Hause

Ganz so schnell war der Heimweg dann doch nicht. Erst mussten diverse Kilometer auf dem Velo und im Zug absolviert werden. Die Krönung war dann noch ein Diebstahlversuch meines Velos in Prag am Bahnhof, aber ich habe es rechtzetig gesehen und der Herr hatte keine Lust mit mir eine körperliche Auseinandersetzung zu führen….

Fazit:

Eine sehr spezielle Reise die mir neben vielen schönen Seiten des Radreisens auch die unschönen Seiten gezeigt hat. Ich habe auf dieser Tour auf der einen Seite viel mentale Stärke gewonnen, aber auf der anderen Seite auch viel Selbstvertrauen in meine eigenen körperlichen Kräfte verloren.  Das sollte sich bei meiner nächsten geplanten Unternehmung negativ auswirken. Dazu aber mehr in einem neuen Blogbeitrag.

Ich finde es schade, dass viele Elbewegreisende erst in Drseden in diesen Radweg einsteigen. Der Tschechische Teil ist wunderschön und es gibt vieles auf und neben den Weg zu entdecken. Auch wenn der Tschechische Autofahrer ein wirklicher „pain in the back“ darstellt, finde ich Tschechien ein fantastisches Radreiseland. Die Leute sind sehr freundlich, es gibt viel Eisenbahn und viele herrlich geführte Radwege – wenn man ein entsprechend robustes Rad mitnimmt. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf weitere Touren in Tschechien. Zum Glück gibt es dort noch Einiges zu entdecken.

Solange es noch Nachtzüge gibt – die Deutsche Bahn behauptet die Nachtzüge seien nicht rentabel – werde ich sie fleissig nutzen. Rettet die letzten unsteigefreien grenzüberschreitenden Reisemöglichkeiten für die Velofahrer in Europa!!!