Elberadweg Tschechien bis zur Quelle – das Vorgeplänkel

Diese Woche war geplant als Fortsetzung des Elberadwegs aus dem letzten Jahr. Aber statt wieder in Richtung Meer zu fahren wollte ich dies Mal von Melnik aus Richtung Quelle in Spinderlermühle fahren.

Kollage_Tschechien

Da ich im Internet zwar diverse Beschreibungen gefunden habe, aber nirgend wo eine durchgehende Beschreibung bis Spindlermühle, werde ich die Tour hier detaillierter beschreiben als sonst bei mir üblich. Die Informationen sind nach besten Wissen und Gewissen recherchiert und zusammengesellt und entbinden den Verwender nicht davon, ggf. eigene Recherchen anzustellen. Das Ganze ist angereichert mit meinen zahlreichen Erlebnissen und Eindrücken auf dieser eindrücklichen Tour.

 

Tourvorbereitungen

Aufgrund meiner Erfahrungen im letzten Jahr zu den Wegverhältnissen in Tschechien habe ich mich lange mit dem Gedanken getragen statt mit meinem geliebten Reiserad ein Bike mit auf die Tour zu nehmen. Leider hat ein Bike aber den Nachteil, dass der Gepäcktransport auf Rucksack und ggf. leichten Hinterradträger beschränkt ist, insbeosndere wenn man sein Bike nicht allzu sehr umbauen möchte. Daher ist in letzter Instanz dann doch wieder die Entscheidung für das Reiserad gefallen.

 Geplante Strecke

Die Idee ist, von Melnik aus bis Spinderlmühle zu fahren und dabei der hervorragenden Beschilderung des Elberadwegs zu folgen. Der Elberadweg ist inzwischen fast komplett als Nummer 2 ausgeschildert, in ganz wenigen Fällen findet man noch Schilder mit der alten 24er-Nummerierung.

Aufgrund der schwierigen Streckverhältnisse habe ich Tagesetappen von maximal 65 Kilometern geplant.

Als Abschluss ist eine Wanderung zur Elbequelle von Spindlermühle aus geplant.

 Anreise

Wir haben von Zürich aus – noch – einen durchgehenden Nachtzug nach Prag, welcher leider zum Fahrplanwechsel Dezember 2014 gestrichen werden soll. Es bietet sich grundsätzlich auf Radreisen an, den Zug als Transportmittel zu nutzen, da man auf diese Art und Weise beliebige Strecken fahren kann, ohne dass man an den Ausgangspunkt einer Tour zurück kehren muss. Auch entfällt das aufwendige Zerlegen und Verpacken des Rades, was für eine Flugreise zwingend notwendig ist.

Das Nachtzugnetz stellt eine der letzten Verbindungwege in Europa dar, auf dem man sein Velo umsteigefrei auf langen Strecken transportieren kann. Es ist ein Trauerspiel, dass nun auch noch diese letzte Möglichkeit von der Deutschen Bahn zusammen gestrichen würd, insbesondere da in den ICEs / TGVs und Railjets dieser Welt auch kein legaler Velotransport möglich ist.

Ich habe mich dann statt Melnik für Nevatovice als Startort meiner Tour entschieden, da man nach dort gemütlich mit einem Vorortzug von Prag aus umsteigefrei hin fahren kann.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 Kartenmaterial

Für Tschechien kann ich insbesondere den Cykloserver sehr empfehlen. Es handelt sich dabei um eine Onlinekarte, auf der alle tschechischen Radwege mitsamt Nummerierung eingezeichnet sind. Erreichbar ist das Ganze unter cyckloserver.cz

Ich habe mir dazu den Veloatlas Tschechien bestellt und mir dann die relevanten Seiten eingescannt und wieder ausgedruckt. Auf den Ausdrücken habe ich mir die geplante Route mit Textmarker eingezeichnet. Dazu kam mein Garmin-GPS, welches mich auf allen Touren treu begleitet. Insbesondere bei der Suche nach Hotels ist der Garmin ein extrem wertvoller Begleiter, ich verwende die Europa NT-Karte, die ist für das Routing in Städten ausreichend. Für Tschechien ist aber auch eine OSM-Karte verfügbar.

 Samstag

Der Samstag ist für die Tour eigentlich nur im Sinne der Anreise von Relevanz. Für mich hiess es meine Taschen packen, um dann mit dem Velo nach Chur zu radeln. Hier konnte ich gemütlich in den Intercity nach Zürich HB rollen. Wie immer am Wochenende war das Veloabteil ausgesprochen gut belegt.

Bereits 20 Minuten vor Abfahrt wurde unser Nachtzug bereitgestellt, also ausreichend Zeit das Velo gut im Velowagen zu verladen und anzuketten sowie im Schlafwagen das Abteil zu suchen.

Ich fahre grundsätzlich Schlafwagen, da sich hier die Abteiltüren verschliessen lassen und jedes Abteil eine Sprechanlage zum Schlafwagenschaffner hat. Das hat zwar seinen Preis, aber das ist mir meine persönliche Sicherheit wert.

Leider wurde inzwischen der Speisewagen „eingespart“ so fand das soziale Leben auf dem Gang des Schlafwagens statt. Wie immer sehr unterhaltsam, gegen 23:00 Uhr kehrte dann Ruhe ein und alle zogen sich in ihr Abteil zurück.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Foto zeigt bereits die Ankunft in Prag. Die Geschichten aus Tschechien werde ich im nächsten Blogbeitrag beschreiben.

 

Tourenpläne 2014 – was läuft im Juni?

Der erste Velourlaub ist bereits wieder fünf Wochen her, Zeit neue Pläne zu schmieden. Auch habe ich einen neuen Arbeitgeber, dass schränkt meine Tourenpläne unwesentlich ein. Hinzu kommt die immer noch angeschlagene Gesundheit, soweit die Eckparameter für die Planung.

Eigentlich wollte ich im Juni „Wellness-Ferien“ in Scoul machen, aber es zieht mich aufs Velo. Wohin? Das war nicht besonders schwer….

Rennradferien? Um mich auf den Engadin Radmarathon vorzubereiten? Das wäre vermutlich die schlaue Entscheidung…

Aber nein, ich hab da noch eine Pendenz aus dem letzten Jahr…  Den Besuch der Elbequelle 🙂

Also war ich heute auf dem Bahnhof in Bern, habe die SBB-Dame gut 15 Minuten beschäftigt – ok, dafür sind die 10 CHF Zuschlag für Auslandstickets angemessen – und bin nun stolze Besitzerin eines Retourtickets nach Prag mit dem Nachtzug inklusive internationaler Velokarten :-)die

Die Tour werde ich mit einem meiner Bikes fahren, d.h. wenig bis kein Gepäck. Die Strecken werden maximal bei 50 Kilometer am Tag liegen, dazu kommt zum Schluss eine kleine Wanderung zur Quelle. Diesen Tourenbericht habe ich im Web gefunden, ein kleiner Vorgeschmack auf die geplante Reise.

Ich freue mich auf die Tour…..

 

Unterwegs auf dem Elberadweg: Magdeburg – Cuxhaven

Magdeburg – Tangermünde (86 km)

Heute morgen sieht die Welt wieder anders aus 🙂 Das Wetter ist zwar wieder sehr regnerisch, aber dafür ist die Laune um so besser.  Nachdem Magdeburg erfolgreich umfahren ist wartet als erstes das europäische Wasserstrassenkreuz auf mich.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas schaue mich mir genau an, bekanntlich habe ich für Verkehrsmittel ein Fable. Danach geht es gleich munter weiter, heute ist laufend „Regensachen anziehen“, „Regensachen ausziehen“ angesagt. Trotzdem macht das Fahren viel Spass, insbesondere da der Wind zur Abwechselung mal von hinten statt von vorne kommt.

Bockwindmühle

Bockwindmühle

Irgend wann ist es dann mal wieder so weit, aufgrund Hochwasserschäden gibt es eine lange Umleitung, die nicht ganz optimal ausgeschildert ist.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIch verfahre mich gnadenlos und lande mal wieder auf den „Knochenbrecherwegen“ aus den tollen Betonplatten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas war aber noch der bessere Teil der Tour, denn nachdem ich dann die Umleitung wieder gefunden hatte, ging es bis Tangermünde auf eine viel befahrene Bundestrasse 😦 Hier war es mörderisch, ein LKW hat mich fast vom Velo geholt. Trotz Umleitung des Radwegs – und keiner Alternative – war weit und breit keine Geschwindigkeitsbegrenzung zu sehen. Toll, wenn Autos mit gut 110 km/h an einem vorbei rauschen….

Irgend wann war dann Tangermüde errreicht. Zum Glück ohne grössere Blessuren, dafür ist die Stadt wunderbar. Auch merke ich, dass ich langsam nach Norden komme.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Seitenstrasse

Seitenstrasse

Wunderbare Details - eine Sternentür. Was sich dahinter verbirgt?

Wunderbare Details – eine Sternentür. Was sich dahinter verbirgt?

Da geht's runter - zum Hafen

Da geht’s runter – zum Hafen

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Armer alter Speicher in Tangermünde - keiner hat ihn mehr lieb :-(

Armer alter Speicher in Tangermünde – keiner hat ihn mehr lieb 😦

Altes Stadttor - vom Hafen aus gesehen

Altes Stadttor – vom Hafen aus gesehen

Ich übernachte in einem Gasthaus welches den Begriff „Brauerei“ im Namen führt. Leider ist aber keine Brauerei zu sehen…..

Tangermünde – Wittenberge (81 km)

Dieser Tag ist ein Windtag. Wind von Vorne. In einer Heftigkeit wie lange nicht erlebt. Gleichzeitig ein Freudentag für mich, endlich kann ich das Bundesland „Sachen-Anhalt“ hinter mir lassen.  Langsam habe ich einen „Ostkoller“ und auch merke ich meine Knochen und Muskeln. Der Wind zieht mir alle Kraft auf dem Körper.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERADieses Wehr stellt die Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg dar. Danach ging es dann gut zehn Kilometer frontal gegen den Wind.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADann gabs eine Überraschung, dass „Knopppoint“-System aus Holland in Brandenburg! Würden das doch alle machen, dann hätte es der Radreisende viel einfacher….

Die Tour führt mich weiter durch ein Storchendorf und zum Glück rückt Wittenberg bald in Sichtweite, der Wind ist wirklich mörderisch heute.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAAls Erstes bekomme ich von Wittenberg den alten Singerturm zu sehen, Nähmaschienen werden keine mehr gebaut, aber das Werksgelände gibts noch. Statt dessen wurde ein tolles Hotel „Alte Ölmühle“ mit Hausbrauerei gebaut – mein heutiges Nachtquartier. Mit hat das Haus sehr gefallen, da man altes Fabrikgelände gefühlvoll renoviert und zum Hotel umgebaut hat.

Hotel Alte Ölmühle - Haupthaus

Hotel Alte Ölmühle – Haupthaus

Abends beim „Biertest“ merke ich wie fertig ich bin. Macht fahren morgen Sinn? Wäre nicht ein Ruhetag angebracht? Ich verschiebe die Entscheidung auf den nächsten Morgen….

Wittenberge – Hamburg

Heute morgen ist im wahrsten Sinne „Sauwetter“.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs schüttet in Strömen und es ist kalt. Daher ist die Entscheidung schnell gefallen. Es gibt einen Zugtransfer nach Hamburg. Damit entgeht mir zwar ein wichtiges – und sicherlich auch schönes – Stück des Elberadwegs, aber damit ist klar, dass ich auch Cuxhaven erreichen kann. Hotels werden umgebucht und Zugverbindungen nachgeschlagen. Die Reise wird via Schwerin nach Hamburg führen.

Der Zugtransfer ist angenehm unspektakulär bei der Ostbahn kann ich problemlos in den Wagen rollen, auch das Umsteigen in Schwerin ist sehr einfach. Hamburg kenne ich zum Glück…

Fünfbett-Zimmer für mich alleine...

Fünfbett-Zimmer für mich alleine…

In Hamburg erwische ich ein Riesenzimmer. Das kommt davon wenn man kurzristig bucht…

Der Abend in Hamburg ist lustig, essen gehe ich am Hafen in eine Hausbrauerei. Dort sitze ich mit anderem Leuten am Tisch, wir kommen ins Gespräch…

Hamburg – Stade (59 km)

Heute ist ein spezieller Tag für mich. Die letzte Fährüberfahrt der Reise steht an. Viele Fähren habe ich beutzt, angegangen bei der Minifähre über die Moldau. Mir wird bewusst, dass ich diese Reise erfolgreich abschliessen kann. Und das keine sechs Monate nach meiner Hüft-OP!

Als Erstes gibt es aber, die Landungsbrücken zu finden. Eigentlich kein Problem – denk ich mir, Leider finde ich mal wieder den Abzweig nicht und lande in den Tiefen der Speicherstadt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAlso versuche ich es mit dem Navi. Leider Fehlanzeige – Navigationsfehler 😦 Zum Glück funktioniert das gute alte Prinzip des Fragens. Irgend wann stehe ich dann von der Rikmars Rikmarsen 🙂

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAn all den Touristen geht es dann runter auf die Landungsbrücken um meine letzte Fährüberfahrt dieser Tour in Angriff zu nehmen. Was für ein Riesenschiff, dazu noch mit voll automatischem Steg!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnterwegs gibt es herrliche Ausblicke.

Speicher - von der Hafenfähre aus gesehen. Vermutlich heute ein sündhaft teures Loft...

Speicher – von der Hafenfähre aus gesehen. Vermutlich heute ein sündhaft teures Loft…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Kurz vor Finkenwerder stehen mir doch tatsächlich die Tränen in den Augen! Mir wird bewusst, dass ich es schaffen werde! Komme was da wolle.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIn Finkenwerder sitze ich erst mal zehn Minuten auf dem Landungssteg bis ich mich selbst wieder gesammelt habe. In Anbetracht einer kurzen Etappe heute habe ich alle Zeit der Welt – denke ich.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAToll ausgeschildert, bis ich mal wieder irgend wo in der Pampa lande – wenn auch eine schöne Pampa 🙂 Ich lande auf dem Radweg „Altes Land“. Dieser führt herrlich Richtung Stade um dann irgend wann wieder in den Elberadweg über zu gehen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das Wetter ist gut und die tollen Fachwerkhäuser sind ein Genuss. Da ich reichlich Zeit habe bleibt Muse für diverse Kleinigkeiten am Weg.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Stade kannte ich bisher nur vom AKW. Ich bin sehr überrrascht, was Stade für eine tolle Innenstadt hat. Fachwerk und Jugendstilhäuser existieren einträchtig neben einander!

Wunderbare Fachwerkhäuser in Stade

Wunderbare Fachwerkhäuser in Stade

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Stadtbesichtigung macht eine Riesenfreude, insbesondere da ich auch in einem wunderbaren altem Fachwerkhaus übernachten darf. Am Abend gehe ich in eine Kneipe. So versackt bin ich schon lange nicht mehr:-) Und da sag noch einer die Nordländer seien kühl. Was haben wir gelacht 🙂 Das Blöde war nur, wo war noch gleich mein Hotel???

Stade – Otterndorf (82 km)

Zum Glück ohne Nachwehen erwachte ich heute morgen frisch und munter. Es ist der letzte richtige Fahrtag, und wie sollte es anders sein? Es regnet mal wieder…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Dann kommt ein Stück vor dem ich gewaltig Respekt habe. 30 km durch ein Naturschutzgebiet, einfach durch das Nichts. Zum Glück hat es inzwischen aufgehört zu regnen, dafür ist mein Freund der Gegenwind wieder da…

Weites Land - weiter Blick...

Weites Land – weiter Blick…

OLYMPUS DIGITAL CAMERATatsächlich ist das Stück unheimlich. Ich sehe keinen Menschen, dafür eine unendliche Menge an Vögeln, Kühen und Schafen…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERALamgsam wird mir bewusst, was ich in der miesen Zeit nach der OP gelernt habe. Durchhaltevermögen. Eine unglaubliche mentale Kraft die mir nun hilft die Einsamkeit, den Gegenwind und überhaupt die Kälte zu überwinden. Ich bin auf dieser Tour durch viele einsame Stücke gekommen, aber dieses zerrt trotz aller Schönheit an meinen Nerven. Auch wird mir langsam mein Trinkwasser knapp, der permanente Kampf gegen den Wind macht Durst….

Aber auch dieser Abschnitt – landschaftlich ein Traum – geht irgend wann zu Ende. Und ein Schild des Landkreises Cuxhaven zeigt mir, dass meine Reise bald zu Ende sein wird.

Ankunft im Landkreis Cuxhaven - bis zur Kubelbarke sind es jetzt bereits weniger als 50 km!

Ankunft im Landkreis Cuxhaven – bis zur Kubelbarke sind es jetzt bereits weniger als 50 km!

Wieder gehe ich durch ein Wechselbad der Gefühle. Auf der einen Seite die Freude bald am Ziel zu sein, auf der anderen Seite die Trauer, dass die Reise, und damit die unendliche Freiheit beim Radreisen, bald zu Ende sein wird.

Dies mal finde ich das Hotel dank Navi problemlos. Sobald ich eingecheckt habe, hält mich nichts mehr, ich will das Meer / die Elbemündung sehen!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAJetzt weiss ich, ich bin so gut wie am Ziel. Noch 30 Kilometer bis Cuxhaven….

Otterndorf – Cuxhaven (26 km)

Heute ist ein Freudentag. Noch 30 km zu fahren, das Ziel vor Augen. Der Weg führt zu meiner grossen Freude direkt am Wasser entlang. Leider auch durch eine Schafherde. Das am Morgen mit viel Liebe geputzte Velo ist in kürzester Zeit voll mit Schafka..e. Der Weg ist so glitschig, dass ich absteigen muss und schieben muss. Damit bin ich dann leider auch voll. Was für ein Duft…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAAber meine Laune ist heute durch nichts zu zerstören. Cuxhaven ist bald erreicht, der Radweg führt durch den Hafen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd dann ist es soweit. Leider darf das Velo nicht mitgenommen werden und es muss drei Euro Kurtaxe geblecht werden.

Die Kugelbarke in Cushaven - das Ziel vor Augen :-)

Die Kugelbarke in Cushaven – das Ziel vor Augen 🙂

Die Kugelbarke rückt in den Blick. Das Gefühl ist unbeschreiblich…

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAngekommen. Fast 1000 km auf dem Velo gesessen, viele neue Eindrücke gewonnen, um einige Erfahrungen reicher geworden. Jetzt kann ich es richtig geniessen 🙂

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Lustigerweise verschiebt sich relativ schnell mein Fokus. Ich will nach Hause. Heim in die Schweiz. Aber vorher gönne ich mir das lang erwartete Granatbrötchen – leider war es in der Fantasie viel leckerer als in echt 😦

Heimreise

Am Bahnhof in Cuxhaven versuche ich notdürftig mein Velo mithilfe von Trinkflasche und Stock von den gröbsten Spuren der Schafka..e zu reinigen. Das gelingt mehr schlecht als recht 😦

Im Metronom ist es dann egal, das Veloabteil gehört fast mir alleine.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIn Hamburg angekommen verlasse ich schnell das Bahnhofsgebiet, da heute Fussball ist – HSV gegen Werder Bremen. Die Zeit schlage gepfelgt am Jungfernsteg tot….

Irgend wann ist es an der Zeit wieder Richtung Bahnhof zu gehen. Der Nachtzug ist pünktlich, der Stellplatz und das Bett reserviert und schnell bezogen. Ich geniesse den Abend im Speisewagen an einer gigantischen Theke mit anderen Gästen.

Im Nachtzug kurz vor Zürich

Im Nachtzug kurz vor Zürich

Morgens gibts wieder ein „Boxed Frühstück“, der Zug ist pünktlich in Zürich. Die Rückreise nach Chur ist angenehm langweilig und wie üblich scheint im Bündner Land die Sonne 🙂

Wieder im heimischen Graubünden, natürlich wie üblich sonnig:-)

Wieder im heimischen Graubünden, natürlich wie üblich sonnig:-)

Ich fahre die letzen Kilometer nach Hause. Zu Hause angekommen sitze ich locker zehn Minuten vor der Tür und kann mich nicht dazu durch ringen dass Velo abzuladen. Denn das heisst, das die Reise entgültig vorbei ist. Sie wird zur Vergangenheit und lebt nur noch in meinem Kopf respektive in diesem Blog. Irgend wann muss es dann sein. Abladen. Velo weg stellen. Taschen auspacken und Waschmaschiene beladen. Vorbei…

Es war eine herrliche Tour. Das Schöne am Ende ist, dass man bald wieder eine neue Tour anfangen kann.

Im letzen Blogeintag zu dieser Tour werde ich noch ein bisschen Fazit ziehen und mich zum Thema Navigieren aulassen. Auch plane ich bereits weitere Abenteuer…..

Unterwegs auf dem Elberadweg: Dreseden – Magdeburg

12. September 2013: Decin – Dresden (67 km)

Nachdem ich die Tschechische Grenze überfahren hatte, erwartete mich nun das Elbsandsteingebirge. Darauf hatte ich mich sehr gefreut. Leider war es am Regnen und die Wolken hingen sehr tief. Damit war leider von den tollen Felsen nicht viel zu sehen 😦

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Irgend wann wechselte ich mal wieder die Flussseite um dann kurz darauf mit einer kleiner Fähre wieder die Seite zu wechseln. Das Spezielle an dieser Fähre: Der Fahrpreis. Sage und schreibe 2.50 Euro für eine einfache Fahrt mit Fahrrad….

Die ",50Euro-Fähre

Die 2,50Euro-Fähre

Immerhin, es hörte auf zu Regnen. Leider war da das Elbsandsteingebirkge schon vorbei, und für die tollen Städte Bad Schandau, Königstein und Pirna hatte ich wenig Zeit, da es mich mit Macht Richtung Dresden zog. Der Weg war sehr einfach zu bewältigen, kaum Steigungen und so gut wie kein Wind. Daher waren die ersten Vorboten von Dresden, wie z.B. Schloss Moritzburg oder das blaue Wunder sehr schnell erreicht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Dresden:

Dresden – einer der absoluten Höhepunkte einer Radreise die Elbe entlang. Für mich auch sehr emotional, da ich schon immer mal die Frauenkirche sehen wollte. Die Frauenkirche ist für uns Deutsche etwas Spezielles, wegen der schweren Anriffe 1945 auf Dresden. Nachdem ich Velo und Gepäck in er Cityherberge – vermutlich ein altes Interhotel – versorgt hatte, war daher der erste Weg Richtung Frauenkirche.

Frauenkirche

Frauenkirche

Der Besuch war sehr emotional für mich, für uns Deutsche hat die Frauenkirche eine ganz besondere Bedeutung. Zum Ende hin des 2. Weltkriegs wurde Dresden inklusive Frauenkirche fast komplett zerstört. Wer sich davon ein Bild machen möchte, möge diesen Link anklicken. Auch spielte die Frauenkirche im Jahre 1989 bei der deutschen Wiedervereinigung eine wichtige Rolle. Es war zwar sehr voll in der Kirche, aber trotzdem sehr schön.

Vor der Kirche standen zwei Rikschas. Da ich bis dahin selbst diverse Kilometer gestrampelt hatte, war es nun an der Zeit mich fahren zu lassen. Eine Superidee, ich konnte Dresden aus einer sehr spannenden Perspektive mit persönlichem Führer erleben 🙂

Dresdener Zwinger

Dresdener Zwinger

Der Zwinger - ganz für mich alleine - morgens um 07:00 Uhr

Der Zwinger – ganz für mich alleine – morgens um 07:00 Uhr

??????????????????????????????? OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Blick aus der Rikscha

Blick aus der Rikscha

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Der Canaleto-Blick auf Dresden

Der Canaleto-Blick auf Dresden

In der Pfunds-Molkerei

In der Pfunds-Molkerei

Frauenkirche

Frauenkirche

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Nach der Tour war ich ziemlich platt und bin zurück in mein Hotel. Dort war es reichlich psychidelisch….

Was für Fans der 60er Jahre...

Was für Fans der 60er Jahre…

Es gab noch ein gutes Abendessen – endlich hab ich wieder verstanden was auf der Speisekarte steht – und danach bin ich ziemlich fertig ins Bett….

13. September 2013: Dresden – Torgau (107 km)

Der heutige Morgen ist regnerisch, irgend wie bin ich auch ein bisschen platt von all den Eindrücken in Dresden. In Meissen gäbe es die Porzelanmanufaktur zu besichtigen, aber ich hab keine Lust….

Dasist mal ein Brückenname :-)

Dasist mal ein Brückenname 🙂

Meissen, vom Elbufer aus gesehen

Meissen, vom Elbufer aus gesehen

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ansonsten ist der Vormittag sehr kurzweilig, bald ist Riesa erreicht. Von der Stadt bin ich sehr enttäuscht und am Nachmittag beginnt die Ödnis des Landkreis Nord-Sachsen. Da war Tschechien stärker bevölkert, ausser gigansichen „Tiergefängnissen und Biogas-Domen gibts nichts zu seheen ausser Ödnis. 😦

Einfach nur nichts...

Einfach nur nichts…

Als ich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr weiter komme denkt der liebe Gott an mich und sorgt für Abwechselung. Auf einam stehe ich an einem wunderschönem See 🙂

Tolle Begegnung in der Kirche mit dem Kuster, im übrigen hat die Kirche eine super Akustik für Gesangseinlagen...

Tolle Begegnung in der Kirche mit dem Kuster, im übrigen hat die Kirche eine super Akustik für Gesangseinlagen…

Was für ein herrliches Plätzchen

Was für ein herrliches Plätzchen

Dan sind es noch ca. 20 km bis nach Torgau. Das Hotel ist schnell gefunden. Hässliche Überrraschung: Irgend ein perverser Mensch hat an der Dusche einen Knopf angebaut, der nach 30 Sekunden das Wasser automatisch abstellt. In Kombination mit einem Heisswasserboiler eine tolle Kombination! Die Stadt ist dafür um so schöner.

Blick auf Schloss vom Brauereirestaurant aus gesehen

Blick auf Schloss vom Brauereirestaurant aus gesehen

Schloss Torgau

Schloss Torgau

Typischer Strassenzug

Typischer Strassenzug

Auch das gibts noch, einfach gammelig wie zu DDR-Zeiten

Auch das gibts noch, einfach gammelig wie zu DDR-Zeiten

Zur Belohnung ist in Torgau Kirmes und ich kann mich am typisch säsischen Spiesen und dem Wahnsinnsdialekt erfreuen.

14. September 2013: Torgau – Dessau (113 km)

Bei herrlichstem Wetter beginnt heute morgen ein weiterer langer Abschnitt.

Ein letztzer Blick auf Schloss Torgau von der Elbseite aus gesehen

Ein letztzer Blick auf Schloss Torgau von der Elbseite aus gesehen

Morgenstimmung am Flussufer

Morgenstimmung am Flussufer

Was ich natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht weiss, es steht mal wieder eine längerer Verwirrtour an und das mitsamt einem Navi, das angeblich alle wichtigen Deutschen Radwege beinhaltet…..

Am Fluss

Am Fluss

Auf der Seilfähre

Auf der Seilfähre

Herrlich...

Herrlich…

Die Tour führt weiter bei absolutem Traumwetter und bald ist ei weiterer Höhepunkt der Tour – die Lutherstadt Wittenberg erreicht.

Das Rathaus in Wittenberg

Das Rathaus in Wittenberg

Radtourenhotspot  Wittenberg

Radtourenhotspot Wittenberg

Kurz nach Wittenberg gibt es Chemie zu sehen….

Ungeliebtes Kopfsteinpflaster

Ungeliebtes Kopfsteinpflaster

Chemiepark

Chemiepark

Dessau nähert sich mit Riesenschritten. In Dessau selbst darf ich mal wieder das Hotel suchen. Das Velo-Navi hat bisher ganz gut funktioniert. Dies mal nicht. Es führt mich auf einem nicht vorhandenen Feldweg…

Fähre fahren...

Fähre fahren…

Abends gehe ich bei einem herrvorragendem Kroatem speisen. Genial wenn man den ganzen Tag Rad fährt, der Dreigänger war hervorragend.

15: September 2013: Dessau – Magdeburg (73 km)

Irgend wie bin ich heute völlig platt. Mir stecken die letzzen beiden Tage in den Knochen. Ich hab keine Lust zu fahren, zum Glück steht nur ein kurzer Abschnitt an.

Technikmuseum Hugo Junker I

Technikmuseum Hugo Junker I

Technikmuseum Hugo Junker II

Technikmuseum Hugo Junker II

Unterwegs gibt es nicht viel zu sehen. Ausser den üblichen „Autowohnparken“.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Der Radweg wird wunderbar durch den Wald geführt, aber das bekomme ich in meiner „Frustetappe“ nur schemenhaft mit. Das Fahren ist heute ein einziger Krampf….

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Nur der pure Willen bringt mich heute weiter. Das Erste mal, dass ich von meinen Erfahrunge nach der Hüft-OP profitiere. Die Zeiten war nach der OP so mies, das es einfach nicht schlimmer sein kann. Daran hab ic mich erinnert. Und das hat mich bis zu meinem Hotel gebracht, welches ein absoluter Volltreffer ist. Insbesondere das Kuchen-Buffet war herrvorragend.

Fazit

Ein wunderbarer Abschnitt mit sehr gemischtem Wetter. Die Wegqualität lässt zum Teil zu wünschen übrig, es steht und fällt mit dem jeweiligen Landkreis. Insbesondere im Landkreis Nordsachsen war es zum Teil schlimmer als in Tschechien. Dafür war es rund um Meissen perfekt.

Fortsetzung folgt….

Unterwegs in Tschechien auf dem Elberadweg

Dieer Blogeintrag beschreibt die Anreise nach Prag und die Radtour zwischen Prag und der Tschechischen Grenze hinter Decin.

Anreise:

Am Sonntag belud ich in Ems am spätem Nachmittag mein Velo und fuhr gemütlich nach Chur. Was für ein Gefühl endlich wieder ein voll beladenes Reiserad unter mir zu haben! Der Zug zwischen Chur und Zürich war voll wie immer, die Zeit in Zürich HB reichte noch, um im Federal Hörnli zu geniessen.

Der Nachtzug nach Prag wurde pünktlich bereit gestellt, und ich konnte mein Velo in aller Ruhe verladen. Das Abteil war eingerichtet, und ich konnte mein erstes tschechisches Bier dieser Reise geniessen, da es sich um einen tschechischen Schlafwagen handelte.

Mein Schlafwagen-Reich

Mit dem Schlafen im Schlafwagen ist das so eine Sache, aber es war ok. Als ich langsam wieder wach wurde waren wir bereits in Leipzig, morgens gegen 06:30 Uhr. Es war am Regnen, draussen war es ekelig kalt. Zum Glück hatte ich mein warmes Bett und kurz darauf wurde ein „Boxed Frühstück“ mitsamt den von mir gewünschten zwei Kaffee serviert. Da der Zug ab Dresden an der Elbe entlang fährt,  hatte ich Gelegenheit bereits die Strecke aus der Ferne zu inspizieren. Irgendwann gegen 10:30 Uhr war Prag erreicht und ich konnte alles wieder aufs Velo packen.

Die erste Aufgabe war nun, dass Hotel zu finden. Dieses hatte ich nach dem Kriterium Schönheit ausgesucht und weniger nach der Lage. Das Hotel lag nicht im Zentrum von Prag, sondern in einem etwas ruhigerem Bezirk. Dieses Hotel galt es nun zu finden, also eine erste Aufgabe für meinen Edge 810. Würde das Navigieren funktionieren? Als Karte diente der City Navigator Europe, den Wegepunkt hatte ich mir noch daheim am PC gesetzt.

Der „Rosa-Strich“ führte mch brav vom Bahnhof weg durch die Prager Altstadt Richtung Karlsbrücke. Aber Velo fahren? Bei all den Trams, hmm, auf der Radreise hat man bekanntlich Zeit, also erst mal meinen „Schwertransporter“ schiebend bewegen….

Es kommt die Karlsbrücke in Sicht, ein erster Meilenstein auf dieser Reise.

Auf die Karlsbrücke

Auf die Karlsbrücke

Da es Leute ohne Ende hat schiebe ich weiterhin mein Velo 😦 Nach der Brücke wird es besser, dafür auch steiler. Das Navi führt mich eine steile Treppe hoch – toll mit voll beladenem Reiserad. Nachdem auch die Treppe gemeistert ist, kann ich dann gemütlich den Rest des Berges hoch fahren. Ein Genuss nach all der Schieberei!

Ich kann gut im Prager Strassenverkehr mit schwimmen, mein Navi sagt mir „sie haben ihr Ziel erreicht“. Wo ist das Hotel? Beim CityNavigator werden anscheinend Autozeiten gerechnet, aber auch ich erreiche schliesslich mein Ziel und bin sehr positiv überrascht.

Morgens vor der Abfahrt am Amberhotel

Morgens vor der Abfahrt am Amberhotel

Das Hotel ist in einem ehemaligem Kloster – mit eigener Hausbrauerei 🙂

???????????????????????????????Das Velo darf mit aufs Zimmer, damit sind auch Sicherheitsprobleme gelöst. Nach einem ausgiebigem Mittagessen mit einer Bierdegustation in der hauseigenen Brauerei schaue ich mir noch ein wenig Prag an.

??????????????????????????????? OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAWas für eine tolle Stadt! Ich komme garantiert bald wieder, um mir alles in Ruhe an zu schauen….

10.09.2013 Prag – Roudnice nad Labern(86 km):

Heute geht es endlich los! Die erste Aufgabe ist den Weg aus Prag zu finden. Der erste Plan war mit dem Zug ein Stück raus zu fahren, aber ich hab dazu keine Lust. Ich will Velo fahren, nicht Zug! Schlau wie ich bin, hab ich mir zu Hause die gesamte Tagesetappe auf meinen Edge geladen. Damit sind alle Probleme gelöst – denke ich… Fehlenscheid! Die Erstberchnung der Route dauert schon 10 Minuten! Und kaum fährt man in eine andere Strase – Frau weis es bekanntlich besser als der blöde Kasten am Lenker – geht die ganze Rechnerei von vorne los.

Der Radweg ist super ausgeschildert, sobald man endlich ein Schild findet. Leider hab ich mich prompt wieder verirrt, aber nach gut zwei Stunden hab auch ich endlich den Ausgang aus Prag gefunden, und bin in Troja. Troja ist der erste wichtige Navigationspunkt nach Prag an der Moldau.

Der Radweg gibt sich hier wie eine „Autobahn“ frisch geteert, sogar mit einem Mittelstreifen, aber irgend wann kommt das, vor dem der verwöhnte mitteleuropäische Reiseradler gewarnt wird, der Radweg nimmt osteuropäische Verhältnisse an…

Ein Stück weiter - Radweg nicht mehr ganz so schön...

Ein Stück weiter – Radweg nicht mehr ganz so schön…

Zum Glück ist die Felspassage nur von kurzer Dauer und es gilt sich mit der nächsten Herausforderung auseinander zu setzen.

Überquerung der Moldau in Lobecek auf einem Stauwerk - wunderbare Stahlarbeiten

Überquerung der Moldau in Lobecek auf einem Stauwerk – wunderbare Stahlarbeiten

Im Intermet wird vor einer Pipeline-Brücke gewarnt, welche offizieller Bestandteil des Elberadwegs sein soll. Als Alternative wird eine Querung mit der Fähre in Bukol empfohlen. Die Fähre finde ich auch. Vor lauter Respekt vor der Passage vergesse ich ein Foto von dieser Fähre zu machen, daher dieses Bild aus der Wikimedia.

Fähre Bukol - Luzec - Quelle: Pavel Hrdlička, Wikipedia

Fähre Bukol – Luzec – Quelle: Pavel Hrdlička, Wikipedia

Der Fährmann ist sehr freundlich und die Überfahrt gibts für 25 Kronen. Das Ganze ist eine recht wackelige Sache, aber alles geht gut. Bald ist nach gut 50 km Melnik erreicht. In Melnik fliesst die Moldau in die Elbe und damit bin ich nun tatsächlich auf dem Elberadweg (Nr. 2 auf der Tschechischen Beschilderung).

Blick auf das Kloster von Melnik - hier fliesst die Moldau in die Elbe, und damit beginnt für die Radfahrer von Prag her hier der eigentliche Elbradweg

Blick auf das Kloster von Melnik – hier fliesst die Moldau in die Elbe, und damit beginnt für die Radfahrer von Prag her hier der eigentliche Elbradweg

Da mir inzwischen der Magen in der Kniekehle hängt gehe ich einen kleinem Ort in ein Restaurant. Da mein Tschechisch nicht existent ist – und die Bedienung weder deutsch noch englisch spricht – verspeisse ich den Klassiker – Pizza. Das geht in jeder Sprache. Während ich auf mein Essen warte, sind die männlichen Mitesser um Kontaktaufnahme bemührt – wohlgemerkt auf Tschechisch 🙂 Ich hab lange nicht mehr so gelacht wie bei diesem Mittagessen….

Nach dieser sehr unterhaltsamen Pause geht es weiter und es fängt an zu regnen. Zum Glück ist der Etappenort Roudnice nad Labern errreicht und ich komme in einer Bruchbude von Hotel für die Nacht unter. Das Abendessen war Spitze und ich falle bald in mein mehr oder weniger sauberes Bett.

11.09.2013 Roudnice nad Labern – Decin (70 km):

Der neue Morgen präsentiert sich im besten Wetter. Das Frühstück passt zum gammeligen Hotel und daher sehe ich zu, dass ich los komme.

Morgenstimmung in Roudnice nad Labem

Morgenstimmung in Roudnice nad Labem

Nach dem verregnetem Nachmittag gestern ist es ein herrlicher Morgen. In Roudnice wird die Elbe gequert und der Weg führt etws weiter im Hinterland lang.

Hopfenreste

Hopfenreste

Dabei kommt man an endlosen, bereits abgeernteten Hopfenfeldern entlang. Ich hab das Gefühl, dass die Dörfer alle gleich arm aussehen, was mir aufgefallen ist, ist die Beschallungsanlage in allen Orten, egal wie klein. Ob das ein sozialistisches Überbleibsel ist?

Typischer Anblick in einem kleinen Tschechischen Dorf - Strasse mit reichlich Schlaglöchern, Häuser mehr oder weniger renoviert und die olbigate "Beschallungsanlage" - zum Glück war die bei meinem Besuch nie in Betrieb....

Typischer Anblick in einem kleinen Tschechischen Dorf – Strasse mit reichlich Schlaglöchern, Häuser mehr oder weniger renoviert und die olbigate „Beschallungsanlage“

Gerade die Morgenstimmung ist es, die es mir beim Radeln immer besonders angetan hat. Auch auf dieser Tour ist es wieder so.

Wunderbare Morgenstimmungkurz vor Racice

Wunderbare Morgenstimmungkurz vor Racice

Dann erwartet mich eine sehr spezielle Passage, die ich zwar am Anfang noch fahre, aber dann schiebe.

In dieser Schlammschlacht wären GoreTex-Schuhe tatsächlich mal nützlich gewesen - der eine "Tümpel" war jedoch so tief, das das Wasser wieder mal oben in den Schuh rein gelaufen wäre.....

In dieser Schlammschlacht wären GoreTex-Schuhe tatsächlich mal nützlich gewesen – der eine „Tümpel“ war jedoch so tief, das das Wasser wieder mal oben in den Schuh rein gelaufen wäre…..

Den Weg umgehen könnte man zwar, aber da ist es noch schlammiger. Was bin ich froh, für meine wasserdichten Ortlieb-Taschen, die sich insbesondere an solchen Tagen bewähren. Das ich nass und schlammig bin, ist eine Nebenkriegsschauplatz, es ist nicht kalt….

Bald danach wird es mir etwas eng ums Herz, hier kann man endweder via Theresienstadt fahren – das „Alters-KZ“ aus Adolfs Zeiten – oder via Litomerice. Theresienstadt erspare ich mir, ich weiss nicht ob ich mir das ansehen kann. Litomerice ist eine tolle Stadt, mit einem wunderbaren altem Stadtkern.

Marktplatz von Litomerice (Leitmeritz) - weiter hinten das Kelchhaus

Marktplatz von Litomerice (Leitmeritz) – weiter hinten das Kelchhaus

Stephanskathedrale in Litomerice

Stephanskathedrale in Litomerice

Leider ist hinter Litomerice der Spass mit der Sonne wieder vorbei, aber es regnet nicht wirklich.

Der Tschechische Autofahrer ist nicht unbedingt besonders velofreundlich eingestellt, aber Angst hatte ich nie beim Fahren auf den Strassen Tschechiens. Der Elberadweg wird mal auf einem separatem Radweg, mal auf Feldwegen mal auf der Strasse geführt. Die Ausschilderung ist vorbildlich mit gelben Tafeln markiert.

Radwegebeschilderung in Tschechien - perfekt! Die "2" ist der Elberadweg

Radwegebeschilderung in Tschechien – perfekt! Die „2“ ist der Elberadweg

Es wird sehr fleissig am Radweg gewerkelt und ständig optimiert.

"Radfahrer-Autobahn", perfekt ausgeschildert

„Radfahrer-Autobahn“, perfekt ausgeschildert

Da ist der schöne neue Radweg leider kurzfristig zu Ende :-(

Da ist der schöne neue Radweg leider kurzfristig zu Ende 😦

Unterwegs komme ich dann auch an der Burg Schreckenstein vorbei, und bald danach ist Decin erreicht.

Blick auf Burg Schreckenstein

Blick auf Burg Schreckenstein

Heute übernachte ich in einem deutlich besserem Hotel als gestern, auch wenn es nur die Hälfte von dem des letzten Tages kostet.

Da neben mir noch eine organisierte Radreise im Haus übernachtet, darf ich ein Zweizimmer-Appartement für mich haben. Leider sind die Kollegen der organisierten Radreise so arrogant, das ein Gespräch nicht möglich ist, ich bin für die Herrschaften schlicht nicht exisitent. Ich hoffe nur, dass sie mit dem Tschechen nicht auch so umgehen, schliesslich sind wir alle Botschafter unseres Sports und unserer Leidenschaft….

12.09.2013 Decin – Dresden (67 km):

Leider ist das Wetter heute morgen gar nicht toll. Heute ist das besonders schade, da die Passage durch das Elbssandsteingebirge ansteht, ein Highlight der Radtour. In Tschechien selber sind heute noch knapp 25 km zu fahren.

Der "Lange Ritt" 300 Meter langer Weg zum Schloss Decin

Der „Lange Ritt“ 300 Meter langer Weg zum Schloss Decin

Bald regnet es dann richtig, ich steige mal wieder in meine Regenmontur. Damit lässt es sich auch Radfahren, anhalten darf ich nicht, da dann gleich meine Brille beschlägt. Solange ich fahre geht es.

Auffällig ist, dass je näher ich der Tschechischen Grenze komme, desdo besser werden die Radwege.

Grenzübertritt nach Deutschland

Grenzübertritt nach Deutschland

Bald ist die deutsche Grenze erreicht.

Auf der einen Seite bin ich froh, wieder in einem Land zu sein, in dem ich die Leute verstehe, auf der anderen Seite bin ich traurig schon aus Tschechien raus zu sein.

Ich hab wenig andere Radreisende in Tschechien gesehen, vermutlich steigen die Meisten erst in Dresden ein, was schade ist. Die Tschechischen Radwege sind deutlich besser als ihr Ruf, und es wird fleissig an den Radwegen weiter und ausgebaut.

Vom Budget her bin ich mit recht wenig Geld ausgekommen, man kann extrem preiswert essen und übernachten. Wenn ich aufs Geld geschaut hätte wäre es vermutlich noch deutlich günstiger gegangen. Meine Angst vor Prag war unbegründet, niemand hat versucht mir was zu stehlen. Es gibt so viele deutlich einfacherere Diebstahlziele als Radtouristen da reichlich andere Touristen unterwegs sind, die zeigen was sie haben.

Aus Prag raus zu kommen war nicht ganz einfach, aber da ich reichlich Zeit hatte, hat mich das nicht all zu sehr gestresst. Mit dem Rennrad würde ich nicht gehen, daüfr sind die Strassen zu schlecht. Ein robustes Treckingrad ist die richtige Wahl.

Irgendwann möchte ich noch die Elbequelle in Spindlermühle besuchen, aber dann mit dem MTB. Das gibt dann eine neue Geschichte 🙂

Im nächsten Blog werde ich beschreiben, wie es in Deutschland auf dem Elberadweg weiter geht. Wer noch etwas mehr zum Tschechischen Abschnitt wissen möchte kann hier schauen:  http://www.elberadweg.cz

Elberadweg leider schon vorbei…

865 gefahrene Kilometer, 140 Kilometer Zugtransfer, 23 Biersorten verkostet, X Fährüberfahrten, endlose Kilometer auf Betonplattenwegen und Kofsteipflaster, Sonne, Wind und Regen. Gemütsmässig meist gute Tage und ein weniger guter Tag, das war mein persönlicher Elberadweg von Prag nach Cuxhaven.

Morgens in Dresden vor dem Zwinger - kein Mensch da....

Morgens in Dresden vor dem Zwinger – kein Mensch da….

Am Anfang bin ich los gefahren und wusste nicht, ob ich das Ziel in Cuxhaven erreichen würde. Daher waren die Emotionen gerade in den letzten Tagen bis zu Tränen gerührt, insbesondere die Fährüberfahren waren immer sehr beeindruckend. Angefangen bei der kleinsten Fähre in Tschechien, wo ich vor lauter Angst vergessen habe ein Foto zu machen. Zum Glück hab ich eines in der Wikimedia gefunden. Das Ganze war eine recht wackelige Angelegenheit mit meinem „Schwertransporter“ – 15 kg Gepäck, 3 Liter Wasser, 1 kg Lebensmittel, 12 kg Rad – also alles in Allem 30 kg und mein Lebendgewicht.

Fähre Bukol - Luzec - Quelle: Pavel Hrdlička, Wikipedia

Fähre Bukol – Luzec – Quelle: Pavel Hrdlička, Wikipedia

Die letzte Fähre für mich war die Überfahrt von den Landungsbrücken nach Finkenwerder. Die Fähren haben eine andere Grösse und sind dafür auch weniger wackelig 🙂

Hafenfähre Hamburg

Hafenfähre Hamburg

Dazu kam die An- und Abreise mit den Nachtzügen, alles halb so wild – aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.

Warum Elberadweg?

Mein Vater erklärte mir im Frühjahr, dass er seinen Geburtstag mit alten Freunden in Lübeck feiern wolle. Da hab ich meine Ferien entsprechend geplant und auch die ganze Streckenplanung auf Hamburg / Lübeck ausgerichtet. Leider erklärte mir mein Vater vor ein paar Wochen, dass er doch nicht feiern wolle.

Was könnt Ihr in den nächsten Wochen hier erwarten?

Da ich so viele Eindrücke habe – und diese auch erst mal verarbeiten muss – habe ich im Sinn drei bis vier Blockeinträge zu schreiben.

  • Teil 1: Unterwegs in Tschechien
  • Teil 2: Bad Schandau – Magedeburg
  • Teil 3: Magdeburg – Cuxhaven
  • Teil 4: Navigation, Ausrüstung und Reisen mit dem Velo

Ich hoffe, dass Ihr ein bisschen Freude beim Lesen habt, fotografiert habe ich ausschliesslich mit meiner kleinen Kamera.

An der Kugelbarke in Cuxhaven - geschafft

An der Kugelbarke in Cuxhaven – geschafft