Ja, noch mal was zu 2016…

Momentan bin ich dabei all die Sachen die in den letzten Monaten / Jahren liegen geblieben sind aufzuarbeiten, zu sichten und zu überlegen was mir wichtig ist.

Klar, da ist der ganze Papierkram, AHV-Beiträge die nachgezahlt werden müssen, unser aller Freude die Steuererklärung und natürlich das Geld fürs Steueramt 😦

Aber es gibt auch schöne Dinge bei der Aufarbeitung. Z. B. das Sichten der Fotos aus 2016. Dabei ist mir aufgefallen, dass es in 2016 Monate gab, wo ich nicht oder fast nicht fotografiert habe. Das waren die sehr dunklen Monate die ich in der Klinik verbracht habe.

Jetzt habe ich ein paar Fotos aus 2016 raus gesucht und möchte Euch diese präsenteren.

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Diese Zeichnung ist im Januar entstanden im Rahmen eines Kriseninterventionsaufenthalts auf dem Hasliberg. Die Mobi hatte mir gerade gekündigt, für mich war eine Welt zusammen gebrochen. Klar, aus Sicht Arbeitgeber kann ich diese Entscheidung nach voll ziehen, aber für mich war sie in dem Moment sehr hart. Vermutlich hat diese Kündigung den zweiten schweren depressiven Schub ausgelöst.

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Das Foto stammt aus dem Februar und zeigt mein Lieblingsmotiv „Niesen vor Thuner See“. Es ist bei einer meiner wenigen Velofahrten in dieser Zeit entstanden. Mit meiner Psyche ging es immer weiter bergab, hinzu kam das Bewusstsein, dass es in der Zukunft auch finanziell nicht so einfach werden könnte.

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Dieses Foto ist im April entstanden. Meine Freundin und ich hatten an einem Schreinerkurs auf dem Ballenberg teil genommen. Geniessen konnte ich diesen nicht mehr, gelernt habe ich ein wenig, leider ist nicht mehr soviel in meinem Hirn hängen geblieben. Nichts desdo trotz ist dieser Schemel – in Berndeutsch Taburettli – entstanden. Er steht jetzt in meinem Wohnzimmer und ich bin stolz auf ihn.

Kurz nach dem Kurs begann der stationäre Aufenthalt in der Privatklinik Meiringen.

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Sowas bekommt man gesendet von Mitpatienten. Es hilft die Tatsache zu überspielen, dass man sich in einer psychatrischen Klinik befindet. Es ist die Scham, dass gemeinsame Schicksal was uns in dieser Situation zusammen geschweisst hat. Gleichzeitig ist mir aufgrund der Lebensgeschichten meiner Mitpatienten noch mehr bewusst geworden, wie schnell der soziale Abstieg mit einer psychatrischen Erkrankung sein kann. Insbesondere die IV versucht keine Leistungen zu zahlen, die Betroffenen mit diversen Strategien zu zermürben und möglichst als Simulanten hin zu stellen. Schade, den eigentlich war diese institution mal dazu gedacht einem wieder auf die Beine zu helfen, respektive eine kleine Rente zu zahlen wenn es gar nicht mehr geht. Leider sieht die Politik diese Institution ausschliesslich als Kostenfaktor, insbesondere unsere bürglichen Parteien wie die SVP.

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Dieses Foto ist Ende Juni auf den Planplatten entstanden. Meine Lebensgeister waren endlich wieder am Erwachen. Ich habe mir geschworen dass ich zurück in die „normale Welt“ möchte, mein Leben zurück haben möchte. Auch wenn der Pfad nicht immer gerade läuft.

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Das war die erste kleine Wanderung zum Berner Oberland-Klassiker dem Öschinensee. Der See selbst ist toll, aber leider völlig überlaufen. Nachdem ich in Meiringen zeitweilig noch nicht mal mehr in der Lage war ins Dorf zu laufen, war diese Wanderung über zwei Stunden ein erster Triumph für mich. Insbesondere der Dank an meine Freundin die mich tatkräftig unterstützt. Auch fand der Übertritt in die Tagesklinik nach Interlaken in dieser Zeit statt.

In dieser Zeit habe ich auch begonnen nach einer neuen Wohnung zu suchen, da ich mir die bestehende Wohnung in Thun auf Dauer nicht mehr würde leisten können.

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Dieses Foto wurde in Interlaken West gemacht. Die Tagesklink an diesem Tag war gerade zu Ende.

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Im August machten wir eine Wanderung im Wallis von Simplon Dorf auf den Simplonpass. Dabei ist mir dieser alte Kilometerstein ins Auge gefallen.

Es folgten diverse Wanderungen in denen ich meine Ausdauer sukzessive wieder aufbauen konnte. Das war bitter nötig, denn ichmusste zu einem Gutachten in welchem ich mich sehr schikanniert gefüllt habe. Angefangen bei der Tatsache dass meine Begleitperson bei dem Gutachten nicht dabei sein dürfte – dass sei angeblich gesetzlich verboten – über die „Zwangsabgabe“ von Urin zum Drogentest. Meine Erkrankung hat nichts mit Drogen zu tun – aber eben, wenn man welche gefunden hätte könnte die IV leistungen kürzen respektive streichen.

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Trotz Allem, mein erster Dreitausender in 2016 🙂 Es war ein tolles Gefühl auf disem Gipfel stehen zu können. Dieses Erlebnis gab mir Kraft, die ich später noch gut brauchen sollte.

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Endlich eine neue Wohnung gefunden. Wenn man arbeitslos ist – egal aus welchen Gründen – ist die Wohnungssuche schwierig. Zum Glück haben wir rund um Bern nicht die Verhältnisse wie im Grossraum Zürich oder Genf.

Der Haldensteiner Calanda. Mein Geburtstagsberg Ende September. Im Vorfeld gab es in der Tagesklink Diskussionen ob ich nicht statt dieser Geburtstagstour wieder nach Meiringen gehören würde. Ich hatte einen heftigen Taucher, mal wieder Suizidgedanken.  Auslöser war das Gutachten welches mir zugesetzt hat.

Im gesamten Aufstieg war ich mir nicht sicher ob diese Sache gut ausgehen würde. Dann kam eine Stelle,  an welcher ein kleiner Fehltritt gereicht hätte um alles zu beenden. Die Wand ging gut 500 Meter senkrecht den Berg hinab. In diesem Moment wurde ich von der Lebenslust so überrollt, das alle bedrohlichen Gedanken komplett verschwunden waren. Glücklich stand ich danach auf dem Gipfel und erfreute mich meines Lebens und der tollen Aussicht über das Churer Rheintal und in die Bernina-Gruppe.

Inzwischen hatte der Herbst Einzug gehalten. Es kam die Ablehnung sämtlicher IV-Leistungen, da sie für meinen Fall nicht zuständig seien. Wer zuständig sei konnten sie mir auch nicht sagen.  Also keine Wiedereingliederung, ich musste selber schauen wo ich bleibe. Zum Glück konnte ich mein „Praktikum“ bei der Post wieder aufnehmen, den Arbeit ist viel mehr als nur Lohn erhalten.

Arbeit schafft Tagesstruktur, ermöglicht soziale Kontakte und gibt einem – hoffentlich – eine sinnvolle Aufgabe. Hätte ich das nicht gehabt, wäre vermutlich der nächste Abstürz die Folge gewesen.

Ich meldete mich beim RAV das gleich nichts besseres zu tun hatte, als meine Vermittlungsfähigkeit an zu zweifeln. Dieser Entscheid hatte zur Folge das bis auf weiteres sämtlich Zahlungen eingestellt worden sind.

Es reicht nicht, dass man mit seiner psychischen Erkrankung zu kämpfen hat, und irgend wie versucht, die Beine wieder auf den Boden zu bekommen. Nein, kaum meint man wieder Fuss zu fassen, werden einem wieder dicke Steine in den Weg gelegt. inzwischen zahlt das RAV wieder und ich arbeite mit einem befristeten Arbeitsvertrag zu 50 % bei Der Post CH Informatik.

Dann stand im November der Umzug an. Es ist mir sehr schwer gefallen aus meiner Wohnung in Thun auszuziehen, da ich mich da sehr wohl gefüllt habe. Aber so ist es nun mal. Den Kopf in den Sand zu stecken und die Tatsachen zu ignorieren hat noch keinem geholfen. Also haben wir die Sache angepackt und hinter uns gebracht. Inzwischen fühle ich mich auch in meiner neuen Wohnung wohl.

Das Jahr endete versöhnlich mit einer Wanderung auf einem über 2000er und das im Dezember.

Der Spruch der mit in 2016 am meisten geholfen hat ist folgender: „Auf die Schnauze fallen, Krone richten, aufstehen und weiter machen“. Er stammt aus der Tagesklinik in Interlaken und ist inzwischen so was wie meine Lebensphiliosophie geworden. Es gab Zeiten in 2016 da konnte ich das nicht. Jegliche Kraft fehlte alles war zu viel. Selbst das Essen fand ich zu anstregend.

Hoffentlich muss ich das nie wieder erleben! Ich wünsche allen Lesern das sie das niie erleben müssen!

 

Vom Burnout und modernen Raubrittertum

Wider der inneren Natur soll man nicht zu lange handeln. Sonst kann das dumme Folgen haben. Zum Beispiel kann man sich selbst nicht mehr finden und spürt sich nicht mehr. Wie bei mir. Verdacht auf BurnOut. Und jetzt? Weiss nicht.

Das ich ein ernsteres Problem habe ist mir schon seit November / Dezember letzten Jahres bewusst. Konzentrationsprobleme, alle Arbeiten dauern 3 – 5 x so lange wie sonst, ich vergesse nach ein paar Minuten was ich angefangen habe zu arbeiten 😦  Zum Glück – oder auch nicht – konnte ich das erfolgreich verheimlichen, nur mit Hilfe von PostIts habe ich die Zeit bis Weihnachten überstanden.

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In den Ferien wurde es dann besser, Mitte Januar ging es weider los, im Februar habe ich die Notbremse gezogen und war beim Arzt. Dieser hat mich erst mal teil krank geschrieben, aber leider besteht mein Arbeitgeber auf einer Auszeit 😦 Das hat mich erst recht umgehauen. 😦

Aktuell diskutieren mein Hausarzt und ich einen Klinikaufenthalt. Es ist doch recht speziell, was mir am Freitag wider fahren ist. Ich wolte Informationen von der Klink Schützen in Rheinfelden. Darauf hin habe ich einen Anruf von einer Dame aus der Patientenaufnahme erhalten, die mir das „Geschäftsmodell“ erläutert hat. Wartezeit von fünf ! Monaten, sollte ich ein Einzelzimmer zahlen – pro Nacht zwischen 50 – 70 CHF – verkürzt sich die Wartezeit auf zwei Wochen. Ich finde es sehr spezeil wie auf diese Art und Weise die Kunden ausgenommen werden, insbesondere solche Personenn die sich nur sehr schlecht wehren können und nah am Ende Ihrer Kräfte sind…

Die Berner Klinik in Montana nimmt im übrigen 189 CHF pro Nacht für ein Einzelzimmer….  Dazu kommt diese interessante Aussage,  den man unter „Behandlungspfad“ finden kann: „Die zunehmende Emanzipation der Patienten sowie Anforderungen der Kostenträger verlangen eine höhere Transparenz der Prozesse und somit eine Verbesserung der Patientenintegration in den Behandlungsablauf.“ Meine Meinung dazu: Das ist schon ein Leid mit den armen Patienten die für sich selbst entscheiden wollen und keine Lust haben den „Halbgöttern in Weiss“ blind zu vertrauen.

Was heisst das für mich? Beide Kliniken kommen für mich  nicht in Frage, ich lasse mich weder ausnehmen noch bevormunden. Ich bin gespannt was mich in den nächsten Tagen auf meiner Klinksuche noch so erwartet….

???????????????????????????????Zum Glück wird es langsam Frühjahr und ich habe ausgiebig Zeit meiner Lieblingstherapie dem Velo fahren zu frönen. Das hilft mir, ich denke der Sport und die Sonne sind sehr hilfreich gegen jede Form von Depression.

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Was läuft sonst noch? Ich habe eine Gesprächstherapie angefangen, wo das hin führen wird weiss ich nicht. Medikamente möchte ich keine, es kann nicht sein, dass die Arbeit mich so fertig macht, dass ich Antidepressiva nehmen muss. Auch kann man in diversen Publikationen nach lesen, dass die nicht unbedingt was bringen, aber dafür diverse unangenehme Nebenwirkungen haben. Da werde ich erst alle anderen Register ziehen bovor ich mich mit diesem Thema beschäftige.

Wie es mit dem Thema Arbeit weiter geht kann ich im Augenblick noch nicht sagen, Ich hatte letzte Woche eine telefonische Beratung von einer Burnout-Spezialistin, die mir dringend gerarten hat im Augenblick keine Entscheidungen zu treffen, sondern zu warten „bis etwas Gras über die Sache gewachsen“ ist und dann in Ruhe zu überlegen wie es weiter gehen soll.

Ich versuche zur Zeit mein Alltag zu meistern – Einkaufszettel schreiben ist nicht ganz einfach, Daher ca. 2 – 4 Stunden – und versuche mich in Geduld zu üben. Fortsetzung folgt auf diesem Kanal…..